Slowenien war wieder einmal eine Orienteering-Reise wert.
Gute Karten, interessante, selektive Bahnen, professionelle Organisationsabwicklung – alles passte.
Zwei Austria Cup MTBO-Bewerbe (inkl. Slowenischer Meisterschaft „Long“) standen am 16. und 17. Mai 2026 in Slovenj Gradec in komplett unterschiedlichen Terrains am Programm.
Dieses 2. MTBO-Weekend 2026 bestand aus einem Sprintbewerb (Samstag) und einer Langdistanz (Sonntag). Die O-Spezialisten unter den Bikern kamen an diesem Wochenende voll auf ihre Kosten. Insgesamt waren ca. 155 Starter:innen mit dabei, davon ca. 60 Österreicher und ca. 70 Slowenen, dazu noch einige Teilnehmer:innen aus Ungarn und Italien.
Der slowenischen MTBO-Verein OK Slovenj Gradec — war der Organisator dieser beiden Wettkämpfe; die Organisationsleitung hatte Grega RAJ inne, der stets den Überblick hatte. Die Karten waren zuvor schon mehrfach verwendet worden und für viele Fahrer:innen gut bekannt. Daher waren die Tücken des Geländes vorhersehbar. Da und dort gab es aufgrund von Waldarbeiten und den nassen Witterungsbedingungen wenige Tage zuvor bis unmittelbar vor dem Wettkampf einige bemerkbare Veränderungen im Wald.
Der Wettkampf am Samstag Nachmittag fand in der Stadt Ravne – ca. 10km südöstlich von der österreichischen Grenze, nahe Bleiburg statt (Karte: „Grajski park“). Das Wettkampfgebiet war sehr unterschiedlich. Teilweise steiler Wald mit vielen Trails, teilweise Parklandschaft und ein kurzes Stück Siedlungsgebiet. Viele Posten für alle Kategorien erforderten schnelles und sicheres Kartenlesen, gute Voraussicht und „wende-technisches Können“, da es sehr viele Richtungsänderungen gab. Wer vom Start weg in einen guten „Flow“ kam, war an diesem Tag vorne dabei. Leider gab es in der Relation viele FahrerInnen die einen „Fehlstempel“ oder „Missing Punch“ aufzuweisen hatten. Durch das schnelle Agieren konnte schon mal ein Posten „vergessen“ werden.
Am spannendsten und knappsten ging es in den Eliteklassen zu. Die Herren hatten 4,0km (Luftlinie) mit einer Ideallänge von 5,7km mit 115Hm bei 25 Posten zurückzulegen.
Die Damen hatten 3,9km (Luftlinie) mit einer Ideallänge von 5,2km und 90Hm bei 22 Posten zu absolvieren.
Georg KOFFLER (NF Villach) konnte sich in 18:48 mit dem minimalstem Vorsprung von 1 Sekunde vor Andreas WALDMANN (OLT Transdanubien) durchsetzen und den Tagessieg sichern. Auf den 3.Platz fuhr der Italienische Junior Rado KALC (ASD-ASZ Gaja) in 19:38. Den 3.Platz in der Austria-Cupwertung belegte Bernhard KOGLER (OL Kufstein) in 20:45 (4.Pl. Tageswertung).
Aber auch bei den Damen waren es im Kampf um die Tagesbestzeit nur wenige Sekunden, die entschieden. Aber auch hier blieb eine Österreicherin überraschend voran. Katja HNILICA (OLT Transdanubien) gewann diesen Sprintbewerb in 21:49 nur 7 Sekunden vor der Italienerin Sofia DAINESE (Semiperdo Maniago). Den Bronzeplatz am Podium sicherte sich Michaela GIGON (OLT Transdanubien) in 23:35; aber auch Franziska BRODINGER (ASKÖ Henndorf) als Dritte im Austria-Cup (25:55) lieferte ein gutes Rennen ab.
Erwähnt werden sollte noch, dass mit Hannes und Jana HNILICA die beiden Doppelsieger der ersten beiden MTBO-ACs fehlten. Beide bereiten sich bereits intensiv und speziell auf die kommende Woche in Portugal stattfindende MTBO-Europameisterschaft vor!
Langdistanz rund um den Flugplatz
Komplett konträr war hingegen der AC-Bewerb am darauffolgenden Tag. Rund um den Flugplatz von Slovenj Gradec wurde die Slowenische Langdistanz-Meisterschaft durchgeführt, zugleich 4.MTBO-Austria-Cup. Das Wettkampfzentrum befand sich im regionalen Abfallbeseitigungszentrum.
Für diesen Wettkampf wurden zwei ältere Karten, „Dobrava und Brda“, zusammengelegt. Der erste Teil des Bewerbes fand in einem steilen Hangsystem mit vielen talwärts verlaufenden Trails statt. Im Talbereich gab es flachere Geländeabschnitte, die allerdings kartentechnisch sehr fordernd waren, da die Wegedarstellungen sehr „schwimmend“ waren.
Aufgrund des tagelangen Regens waren hier sämtliche Wege und Pfade sehr tief und mit vielen Pfützen und morastigen Stellen versehen. Es gab innerhalb des Waldes nur sehr langsames Vorwärtskommen, was die Fahrzeiten in den meisten Klassen deutlich nach oben steigen ließ. Auch gab es an diesem Tag doch einige Schiebestellen in rutschigen Bergauf-Passagen, die zusätzlich Kraft und Zeit kosteten. Der zweite Teil des Bewerbes war ein eher flacher Nadelwald mit unzähligen Wurzeln, Graswegen und Moosboden.
Es lohnte sich während des gesamten Wettkampfes anstatt der deutlich kürzeren Routen auf Waldwegen, eine längere Umfahrung auf Straßen und Forstwegen außerhalb des Waldgebietes zu wählen.
Während es in der Herren-Elite wiederum zu sehr knappen Ergebnissen kam, waren die „Fronten“ bei den Damen ziemlich klar abgesteckt!
Die Strecke der Herren betrug 15,0km (Luftlinie), das waren 20,6km Idealroute mit 275HM und 20 Posten; die Distanz bei den Damen betrug 13,4km (Luftlinie, was 18,2km Idealroute mit 190Hm bei 19 Posten bedeutete.
Die beiden besten Österreicher an diesem Wochenende tauschten diesmal die Plätze: Andreas WALDMANN konnte in 1h23m11s den Sieg herausfahren; Georg KOFFLER fuhr ebenfalls stark und holte sich Platz 2 in 1h24:08. So wie am Tag zuvor landeten Rado KALC (1h25:44) und Bernhard KOGLER (1h26:05) auf den Plätzen 3. und 4.
Einen totalen Umsturz im Ergebnis gab es hingegen in der Damen-Elitekategorie. Michaela GIGON packte an diesem Tag all ihre Routine aus und distanzierte alle Gegnerinnen deutlich! Ihre Siegerzeit lautete 1h35:41. Damit war sie 171/2min vor der zweitplatzierten Italienerin Sofia DAINESE (1h53:11). Auf Platz 3 landete Franziska BRODINGER in 1h57:26 und nur Platz 4 gab es für die Siegerin vom Vortag Katja HNILICA (1h58:26).
Zu erwähnen wäre in jedem Fall noch das praktikable Konzept vom samstägigen Wettkampftag, von dem sowohl Fuß-Oler als auch MTBOler gleichsam profitierten! Im Ortsgebiet von Ravne fand am Samstag Vormittag ein Sprintbewerb zum slowenischen Sprintcup statt ,bei dem an die 130 Starter:innen dabei waren. Etliche OLer nutzten diese Gelegenheit, bei beiden Bewerben, die auf unterschiedlichen Karten in verschiedenen Gebieten stattfanden, teilzunehmen. Ein ähnliches Konzept könnte auch in Österreich funktionieren!
Nach einer kurzen Pause geht es Mitte Juli im Raum Veszprem (Ungarn) mit dem 5. und 6.MTBO-AC (Mittel und Langdistanz) weiter. Da werden – aufgrund der Durchführung der ÖMS Mitteldistanz für Nachwuchs und Senioren – wohl wieder mehr österreichische Teilnehmer:innen erwartet werden dürfen.
Michael Melcher ( 19. Mai 2026)