Fritz Woitsch feierte seinen 85. Geburtstag

Ende Mai feierte ÖFOL-Ehrenpräsident Fritz Woitsch seinen 85. Geburtstag. Ein besonderer Anlass, um nicht nur persönlich zu gratulieren, sondern auch auf ein außergewöhnliches Wirken für den österreichischen Orientierungssport zurückzublicken.

ÖFOL Verbandskassier Jörg Bürger und Generalsekretär Mathias Steindl ließen es sich daher nicht nehmen, Fritz Woitsch und seiner Gattin Christine einen Besuch abzustatten. In angenehmer und persönlicher Atmosphäre wurden viele Erinnerungen ausgetauscht, an die frühen Jahre des Orientierungslaufs in Österreich, an den Aufbau des Verbandes, an zahlreiche Ausbildungsinitiativen und an die Entwicklung des Sports über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Fritz Woitsch hat den österreichischen Orientierungssport wie nur wenige geprägt. Als Gründungsmitglied des ÖFOL, langjähriger Präsident und Vizepräsident sowie heutiger Ehrenpräsident war und ist er eng mit der Geschichte des Verbandes verbunden. Besonders die Jugendarbeit, die Ausbildung von Funktionärinnen und Funktionären sowie die nachhaltige Entwicklung des Sports waren ihm stets wichtige Anliegen.

Im Zuge des Besuchs wurde auch ein Kurzinterview mit Fritz geführt. Darin spricht er über seine ersten Begegnungen mit dem Orientierungslauf, über prägende Entwicklungen im österreichischen Orientierungssport und darüber, was diese Sportart jungen Menschen bis heute mitgeben kann.

Fritz, du bist seit rund sechs Jahrzehnten mit dem Orientierungssport verbunden. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem dich dieser Sport erstmals wirklich gepackt hat?

Ja, daran kann ich mich noch sehr genau erinnern. Vor meiner Zeit im Orientierungslauf war ich Jugendturnwart. Neben dem Turnen haben wir auch Leichtathletik, Wandern, Skilauf und Schwimmen angeboten. Ich war damals auf der Suche nach attraktiven Sportarten, die junge Menschen ansprechen und zugleich zur Natur passen.

Schließlich nahm ich an einem Bahnlegerlehrgang teil. Die praktische Ausbildung fand unter anderem im Lainzer Tiergarten statt, Ausbildungsleiter war Paul Fritschi aus der Schweiz. Das hat mir so gut gefallen, dass ich sofort eingestiegen bin. Wenig später war ich bereits Bundesfachreferent für Orientierungslauf bei den Naturfreunden und in der ASKÖ.

Du hast den Orientierungssport in Österreich von den ersten Anfängen bis zur anerkannten Sportart begleitet. Was war für dich rückblickend die wichtigste Entwicklung?

Für mich standen immer die Jugend und die Ausbildung im Mittelpunkt. Sport und Jugendarbeit gehören zusammen. Gerade in einer schwierigen Lebensphase kann Sport jungen Menschen Halt, Gemeinschaft und eine positive Orientierung geben.

Deshalb war es mir wichtig, österreichweit Ausbildungen aufzubauen und Menschen zu gewinnen, die selbst Jugendarbeit betreiben können. Über viele Jahre haben wir bei den Naturfreunden Pfingstseminare veranstaltet. Dabei ging es darum, junge Menschen zum Orientierungslauf zu bringen und gleichzeitig Funktionärinnen und Funktionäre, Kampfrichter sowie Kartenzeichner auszubilden.

Der Spitzensport war selbstverständlich ebenfalls wichtig. Mein persönlicher Schwerpunkt lag aber darin, eine breite Grundlage zu schaffen, damit junge Menschen Freude am Sport entwickeln und später auch den Weg in den Leistungssport einschlagen können. Entscheidend waren für mich dabei immer Jugend, Gesundheit und die Möglichkeit, sich individuell weiterzuentwickeln.

In deinen Texten kommt immer wieder die Jugend vor – Sport als Lebensschule, Naturerlebnis und Gemeinschaft. Was kann der Orientierungssport jungen Menschen heute besonders mitgeben?

Sport ist eines der besten Erziehungsmittel für junge Menschen. Man lernt, mit Erfolg umzugehen, aber auch Niederlagen zu akzeptieren, ohne in eine negative Spirale zu geraten. Das sind Erfahrungen, die für das ganze Leben wertvoll sind.

Dazu kommt die gesundheitliche Bedeutung der Bewegung. Gerade weil Kinder und Jugendliche im Schulalltag sehr viel sitzen, braucht es den Sport als Ausgleich. Orientierungslauf verbindet diese Bewegung mit dem Erlebnis in der Natur.

Besonders ist aber die Kombination aus körperlicher und geistiger Herausforderung. Man muss denken, kombinieren, schnelle Entscheidungen treffen und nach dem Lauf analysieren, was gut und was weniger gut funktioniert hat. Dieses Zusammenspiel aus Natur, Abenteuer, Wettkampf und eigenständigem Denken gibt es in dieser Intensität in kaum einer anderen Sportart.

Du warst Gründungsmitglied des ÖFOL, viele Jahre Vizepräsident und Präsident und bist heute Ehrenpräsident. Worauf bist du mit Blick auf den Verband besonders stolz?

Mit dem Wort Stolz tue ich mir etwas schwer. Ich würde eher sagen, dass es einige Dinge gibt, auf die ich mit großer Zufriedenheit zurückblicke.

Eine besonders schöne Erinnerung ist einer meiner ersten selbst organisierten Orientierungsläufe in den 1960er-Jahren. Damals musste praktisch alles selbst aufgebaut werden, von der Karte über den Druck bis zur Zeitnehmung. Rund 30 Funktionäre waren für etwa 35 Starterinnen und Starter im Einsatz. Die Veranstaltung hat hervorragend funktioniert und alle waren zufrieden.

Sehr wichtig waren mir auch die Pfingstseminare der Naturfreunde. Über viele Jahre haben wir dort Anfänger, Fortgeschrittene und Funktionäre ausgebildet und jedes Jahr neue Skripten und Übungsformen entwickelt.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Aufbau des gesamten Ausbildungswesens. Dazu gehörten methodische Grundlagen, Trainingsgestaltung, Technik, Taktik und die Ausbildung von Lehrkräften und Übungsleitern. Vieles davon hat bis heute Bestand.

Mit besonderem Stolz erfüllt mich außerdem das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, das mir vom damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer verliehen wurde. Heinz Fischer kannte ich bereits seit vielen Jahren aus seiner Tätigkeit bei den Naturfreunden. Von ihm habe ich viel darüber gelernt, wie man moderiert, unterschiedliche Interessen zusammenführt und Entwicklungen gestaltet. Diese hohe staatliche Auszeichnung war für mich daher eine ganz besondere Würdigung meines jahrzehntelangen Engagements

Der ÖFOL gratuliert Fritz Woitsch nochmals zu seinem 85. Geburtstag und dankt ihm für seinen jahrzehntelangen, prägenden Einsatz für den österreichischen Orientierungssport. Wir wünschen ihm weiterhin viel Gesundheit, Freude und viele schöne gemeinsame Momente mit seiner Familie, Freunden und der Orientierungslaufgemeinschaft.

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