Teil13: Analyse: OO-Cup als Herausforderung für Hobby-OLer:innen

Weiter geht es in unserer Analyseserie mit einem Blick den OO-Cup 2026. Dieses Mehrtageevent besticht durch selektive Gebiete und anspruchsvolle Bahnen bei gleichzeitig wenig „Drumherum“. Die 25. Auflage des 5-Tagelaufs brachte die Läufer:innen Ende Juli diesmal in ein wahrlich spezielles Laufgebiet, nämlich in die offenen und sumpfigen Killarney Mountains im Süden Irlands.

Gelände

Man möchte meinen, offenes Gelände steht für gute Sicht, ein einfacheres Orientieren und ein schnelles Laufen. Wenn man es nicht schon auf der Zufahrtstraße wahrhaben wollte, spätestens nach den ersten Metern mit Karte war man im besonderen Gelände angekommen. Ja, die Sicht war zum Teil weit, manchmal zu weit. Ein Blick in die Ferne bedeutete 10 Hügel, 18 Felswände, 23 Sümpfe. Und mit Glück: ein Weitblick in die Berge Irlands sowie in die südwestlichen Fjorde.

Bereits auf den ersten Posten war klar, mit dem Gelände muss man auch physisch klarkommen. Heide- und Zwergsträucher, Moose, Flechten, Gräser, Farne und lila blühende Erika-Pflanzen bedeckten den unebenen Boden. Das Vorankommen wurde zur Herausforderung. Glücklich schätzten sich jene, die zum Schluss des etwa fünf Stunden langen Startfensters starten konnten, denn weitläufige Spuren durch das Gelände halfen, um doch ein paar Laufschritte setzen zu können. So konnten auch die Analysen danach sehr divergieren: manche sprachen von der härtesten Etappe, manch andere meinten, heute konnte man endlich einmal richtig laufen.

Zusammengefasst ist klar: solch ein Gelände beläuft man in einem Orientierungslaufleben nicht so schnell wieder. Daher überwogen oft die positiven Eindrücke des Geländes, und nicht nur aufgrund der besinnlich aussehenden Sumpflandschaft, sondern wegen der OL-technischen Herausforderung – und wegen genau dieser nimmt der Großteil der Community den weiten Weg nach Irland in Kauf.

O-technische Analyse mit Blick auf das GPS

Das bringt uns direkt dazu, wie denn in einem solchen Gelände orientiert wird. Die Basiskompetenzen von Swiss Orienteering geben uns dafür eine Analyse-Leitlinie:

Signaturen und Farben: gelb (offenes Gebiet), blau (Sümpfe) und schwarz (Felswände und Steine) prägen das Kartenbild, viel mehr gibt es nicht. Relevant erscheint, die Leuchttürme, also die großen Objekte, die sich von anderen abheben, auf der Karte sowie im Gelände zu erkennen. (Bild: 4. Etappe)
      

Administration: Hier in diesem offenen und weitläufigen Gelände ist vor allem die Kompetenz gefragt, bei Kontakt mit anderen Läufer:innen konzentriert und bei der eigenen Orientierungsaufgabe zu bleiben. Auch Spuren können von der geplanten Route leicht abbringen. (Bild: Chaos an GPS-Tracks, allein in der Kategorie M20)

Lesen der Karte: Die Teilkompetenz „Lauftempo an die Kartenarbeit anpassen“ nimmt in den Crohane Mountains einen hohen Stellenwert ein, denn Grob- und Feinorientierung lassen sich hier aufgrund der oft weiten Sicht besonders gut differenzieren. Läuft man einmal einige hundert Meter zum großen Sumpf, so kann man alle anderen Geländedetails ignorieren. Umgekehrt gilt es, im Postenraum aufgrund vieler Parallelsituationen umso vorsichtiger und zielstrebiger zu sein. (Bild: Felswand nach dem Sumpf als Leuchtturm-Objekt)

Umgang mit Relief: Eine weitere Kernkompetenz in diesem Gelände. Die Interpretation von Mulden, Gräben sowie Nasen und Rücken sowie das Auflösen komplexer Geländesituationen ist Grundvoraussetzung für das Orientieren, da es kaum „Anfänger-Leitlinien“ gibt. Die Kinderstrecken müssen sogar oft mit Fähnchen unterstützt werden, da sich das Orientieren meist nur auf das Relief stützt. (Bild: M21E – Mulden und Nasen als Orientierungshilfe)

Richtung und Kompass: Unbestritten ist, der Kompass hilft immer. Die Richtungskontrolle passiert bei erfahrenen OLer:innen auch automatisch. Je nach Orientierungsstil könnte die Kompetenz „Richtung mit dem Kompass halten“ aber auch weniger relevant sein, als zunächst gedacht. Anders gesagt: Aufgrund der hohen Sichtweite kann man sich mit dem Orientieren von Objekt zu Objekt (oft auch weit auseinander) durchschummeln, ohne das klassische Kompasslaufen zu praktizieren. (Bild: Sumpf und Höhe als „Leitlinie“, Kompass eventuell sekundär)

Distanz: Ähnliches gilt für das Distanzgefühl und die Distanzkontrolle. Diese erscheinen in den irischen Hügeln nicht primär notwendig für das Orientieren. Mithilfe von Mitzählen der Felswände, der Gräben oder der insgesamt vielen Karteninformationen kann man die Distanz grundsätzlich recht einfach einschätzen. (Bild: nur wenige verschätzen sich bei der Distanz)

Routenwahl: Grundsätzlich gilt in den meisten Fällen: straight is always fastest. Warum? Weil es wenig grobe Unterschiede bei der Belaufbarkeit und keine großen Geländekammern oder Hügel gibt. Entscheidender sind eher die Mikro-Routenwahlen, die dann aber doch größere Zeitunterschiede bringen können. Vermeide ich den Sumpf, klettere ich die Felswand links oder rechts hinauf, entscheide ich mich für die linke oder rechte Spur, welche kleinen Steinfelder möchte ich vermeiden? (Bild: W16 – hier gibt es nur wenig Abweichungen von der Postenverbindungslinie)

Fazit

Wie so oft beim OL gilt: Der optimale Lauf aus technischer Sicht ergibt sich durch das Zusammenspiel aller O-Kompetenzen mit unterschiedlichen Prioritäten im passenden Lauftempo. Vielleicht konnten ja manche nach der 5. Etappe sagen: „Ich habe das Gelände geknackt“. Mit Sicherheit hat man jedoch einzelne Posten in Perfektion angelaufen. Und das ist es ja, was viele Hobby-OLer:innen wollen: Die Herausforderung annehmen und die Orientierungsprobleme lösen.

PS: Weißt du, dass es etwa 60 ausgearbeitete OL-Trainingsformen basierend auf den O-Kompetenzen gibt? Blicke hier hinein und lass dich inspirieren! 😊

PPS: Sind die O-Kompetenzen von Swiss Orienteering für dich neu? Hier kannst du darüber nachlesen. 

Zur gesamten Serie „laufend Orientiert“: Laufend Orientiert – Orienteering Austria

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